Johann Caspar Nilius, Berlin.
Der WM-Titel bleibt in der Familie. Jacob „The Chosen One“ Nilius gewinnt in einem hart umkämpften Finale gegen Marek „The Hammer“ Meinecke im Nordhauser Stübchen seine fünfte WDC-Weltmeisterschaft.
Im bisher größten Turnier in der Geschichte des Darts-Sportverbandes aus dem Wendland bewarben sich insgesamt 19 Spielerinnen und Spieler auf den Jubiläumstitel – vor zehn Jahren hatten Marek und Jacob die WDC gegründet und in Clenze die erste Weltmeisterschaft ausgespielt. Und weil der Dartsport nun mal Geschichten schreibt, wie sie nur der Dartsport schreiben kann, begegneten sich die beiden eine Dekade später wieder auf der größtmöglichen Bühne.
„Ich weiß gar nicht, wie lange es her ist, dass wir beide im Finale standen, 2016 vielleicht“, sagte Jacob. „Marek hat ja ewig nichts gerissen.“ Damals jedoch warf The Hammer besser und gewann seine zweite Weltmeisterschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass seitdem keine mehr dazukam, in der Weltrangliste war Marek auf Platz neun gefallen. „Im Vorjahr war ich gut dabei, musste dann aber zu früh wieder los“, sagte Marek. Dieses Jahr plante die aus Magdeburg angereiste WDC-Ikone besser: „Heute schlafe ich in Berlin.“ Das sollte sich auszahlen. Wie zu besten Zeiten gewann Marek Spiel für Spiel und traf im Finale auf seinen alten Rivalen, der ebenso problemlos ins Endspiel eingezogen war. „Nach dem Sieg im Auftaktspiel gegen Marek A. hatte ich direkt das Gefühl, dass ich einen guten Tag erwischt habe. Dann konnte ich mich in einen Flow spielen“, verriet Marek Theeyetest.
Packendes Finale für Jacob „unnötig spannend“
„Let’s welcome a legend“, brüllte der MC ins Nordhäuser Stübchen beim Walk-on beider Finalisten. Im Best-of-three-Modus lieferten sich die beiden Gründer der Wendland Darts Corporation eine Partie, die ihrem Status gerecht wurde. Jacob warf näher ans Bullseye und durfte anfangen. Immer wieder nahm er die Triple-19 mit und gewann das erste Leg. Doch auch Marek traf die 20 sicher und sammelte durch das ein oder andere Triple hohe Scores. Das zweite Leg gewann Marek, nachdem beide im Scoring ähnlich gut waren, doch im Check-out minutenlang Probleme hatten – zu lange für Marek. Während Jacob im Anschluss sein vielleicht bestes Leg zeigte, kamen Mareks Pfeile nach dem Single-Trouble einfach nicht mehr an ihr Ziel. Auf dem Scoreboard war die Zahl 273 unter Mareks Namen zu lesen, als Jacob um 1 Uhr nachts die 14 zum Finish traf.
„Das Finale war hart umkämpft, aber auch unnötig spannend“, sagte der neue alte Weltmeister auf Theeyetest-Nachfrage. Schon im zweiten Leg hatte er mehrere Matchdarts in der Hand gehabt, aber noch nicht für die Entscheidung sorgen können. Nach zuletzt zwei titellosen Jahren im Einzelwettbewerb war der Erfolg am Samstag für Jacob auch ein Statement: „Ich habe dieses Jahr das Double aus Team- und Einzel-WM gewonnen. Das hat vor mir noch niemand geschafft und ich denke, das spricht eine klare Sprache.“
Marek war nach dem Turnier „sehr zufrieden“, auch wenn es „für den ganz großen Wurf doch nicht gereicht hat“. Jacob habe zum Schluss „seine besten Darts“ gespielt, so Marek. „Und ich habe nach dem Nervenkrimi in Leg 2 nicht mehr reingefunden.“
Die alten Machtverhältnisse sind wiederhergestellt
In den Vorjahren hatte noch die „NewGen“ aus Alex „The Balex“ Bräunling, Ole „The Doctor“ Bortels und Johann „The Joker“ Nilius für Furore gesorgt. Die Weltmeisterschaften gingen zuletzt an Ole und Johann, auch Alex, der Weltmeister von 2019, kam immer mindestens bis ins Halbfinale. Doch während Johann am Samstag in der Gruppenphase nicht in sein Spiel fand und schon in der Gruppenphase rausgeflogen war, traten Alex und Ole gar nicht erst an. Jacob und Maerk nutzen dies, um die alten Machtverhältnisse in der WDC wiederherzustellen. Der Gewinn der Silberrunde sei für Johann nur „ein kleiner Trost“, wie er nach dem Turnier sagte. Für eine weitere Stellungnahme war der Vorjahressieger nicht zu erreichen.
Die weitere Mitfavoritin Cara „Red Lightning“ Nadler gab sich mit dem Aus im Viertelfinale zufrieden. „Das war mein Mindestziel, das habe ich erreicht“, sagte sie. Auch für Vorjahresfinalist Marek Arndt war in der Runde der letzten Acht Schluss. Für positive Überraschungen sorgten dafür Annika „Arnold The Rock Johnson“ Raudies, bei ihrem Comeback nach drei Jahren, und Debütant „Mr. Clean“, Max Propadalo, die sich überraschend bis ins Halbfinale spielten. Für den schönsten Walk-on und beste Stimmung sorgte Qinqin „QQ“ Zhang, der zu „Believe“ von Cher angespornt wurde, sich bis ins Finale der Silberrunde zu spielen.


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