Die Nummer 1 im Pott

Es gibt keine Frage mehr, nur noch die Antwort: Sag mal SCHAAAAAAALKE.
Wer im Pott glaubt, die Kollegen aus dem sogenannten Norden Lüdenscheids würden ihn definieren, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Hat Dortmund mehr Bundesliga-Titel? Vielleicht.
Mehr Champions-League-Titel? Womöglich.
Höhere Platzierung in der ewigen Ta— es ist egal. Es ist vollkommen egal. Welches Bild zeichnet sich bei dem Begriff des Ruhrpott-Assis?
Wo hat man noch an der Struktur eines eingetragenen Vereins festgehalten?
Wo bluten die Herzen der Fans durch dick und dünn – sind die zweifach vollen Auswärtsfahrer gewisser als der Tod? Wir kennen die Antwort.

Schauen wir allein mal auf die Anzahl der Eigengewächse: Manu N., der beste Torwart aller Zeiten, Mesut Ö., ein mittelmäßiger türkischer Lokalpolitiker (dafür seines Zeichens Weltklasse-10er), Benni „der deutsche Roberto Carlos“ Höwedes – und damit kratzen wir noch nicht einmal an der Oberfläche. Im Osten des Westens bejubelt man währenddessen ein laufendes Mentalitätsproblem ohne Ligatitel, während uns die Jahrhunderttalente aus der Knappenschmiede entgegenpurzeln wie Trustfund-Babies aus den Schoßen von Kardashians. Das, liebe Lesende, sind Levels.

Rein ästhetisch ist der FC Schalke schon in einer anderen Stratosphäre. Gelb. Einfach gelb. Sorry, das kann man vielleicht mit einem Trenchcoat einmal im Jahr halbwegs vernünftig kombinieren, sticht aber meistens eher unangenehm heraus – aber fine, bisschen quirky. Tendenziell nicht unmachbar. Und dann kommt Schwarz in den Mix. Bienenfarben. Einzig mögliche Assoziation. Aus der Geschichte kommt man nicht mehr raus. Als Nachhaltigkeitsappell hinsichtlich des Artensterbens vielleicht keine schlechte Sache, lutscht sich jedoch konzeptionell schnell aus. Die resultierenden Trikots der „Borussenkrieger“ drücken diese zwingende Eindimensionalität auch folgerichtig aus. Immer wieder beschweren sich die nörgeligsten Fans im deutschen Profifußball darüber, dass ihr Ausstatter ja etwas gegen sie haben müsse. Dass die Vereinsfarben vielleicht einfach nur ein bisschen scheiße sind, kommt ihnen dabei nicht in den Kopf. Diesen Autor überrascht es nicht. Die Spitze der Geschmacklosigkeit der Dortmunder Dress bleibt aber wohl das Logo.

Ein Kreis. Mit den Buchstaben BVB drin. Schriftart Arial.
Vielleicht findet das ja unter den letzten 20 verbleibenden Minimalismusanhängern seinen Anklang.

Verglichen damit: das Logo des FC Schalke – ein S04, umschlungen von einem in den Hintergrund schmelzenden G, auf das man die Leute erst aufmerksam machen muss (Zitat: „Ah, krass, das hab ich ja noch nie gesehen, hä, wie cool!“), dessen Inneres eine Schlägel nachbildet. Clever, aber nicht überkomplex, simpel, aber zeitlos, elegant und doch schnörkellos.

Attribute, die auf den FCS04 auch selbst zutreffen. Die blau-weißen Farben stechen heraus, geben dem oft als so trostlos charakterisierten Gelsenkirchen die Würde, die es verdient – die jeder verdient. Das beinahe ironisch andeutende KÖNIGSblau ist Ausdruck der königlichen Herzlichkeit des Ruhrpotts. Es verkörpert das herzliche Lachen, das ich mit einem Schalker Kumpel teilen kann, nachdem wir hitzig in der Halbzeit über die Vereinsführung diskutiert haben. Es ist ein Zeichen von Heimat und das Versprechen von etwas Besserem – an Menschen, die es verdient haben. Der BVB muss sich immer vorhalten, wie viel geiler sie als andere sind. Schalke isses einfach.

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