Mainz 05 erlebt zur Zeit einen absoluten Höhenflug. Der „Karnevalsverein“, der gemeinsam mit dem ehemaligen Kulttrainer Jürgen Klopp nationale Beachtung fand, steht diese Saison zum ersten Mal seit dem Aufstieg unter den Top 4 der Bundesligatabelle. Der Einzug in die Champions League ist zum greifen nah. Die Mainzer steigerten sich in der Bundesliga konstant. Unter Bo Svensson avancierte der Mittelfeld Verein nach und nach zu einer der effizientesten Defensiven in einer Liga, die ohnehin stärker auf das Spiel ohne Ball ausgerichtet ist. Unter seinem Nachfolger, Bo Henriksen, zeichnet sich nun eine klare Spielidee ab, welche die talentierte Mainzer Offensive um den heranwachsenden Stürmer-Star Jonny Burkardt richtig in Szene setzt.
Eine Geschichte für Fußballromantiker, die vor allem eine Konstante hat: Sportvorstand Christian Heidel. Seit 1996 im Verein, war er es, der die Lichtgestalt Jürgen Klopp 2001 zum Trainer beförderte, um dann 8 Jahre später mit Thomas Tuchel das nächste Trainer-Talent mit Weltformat aus dem Ärmel zu schütteln. Er stellte den Ausbau der Bruchweg Arena finanziell sicher auf und verpflichtete Spieler mit Format für kleines Geld. Heraus ragt vor allem der Weltmeister und Ayahuasca One-Shot Opfer André Schürrle. Stünde all dies für sich, würden wir wahrscheinlich von einem der erfolgreichsten Manager der Bundesliga Geschichte sprechen. Einer Figur, die den deutschen Fußball mit limitierten Mitteln geprägt hat wie kaum ein anderer. Vielleicht stünde heute er statt Max Eberl dem FC Bayern vor, wenn da nicht sein dreijähriges Sabbatical gewesen wäre.
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne
Heidels Zeit auf Schalke begann vielversprechend. Leroy Sané, einer der strahlendsten Perlen, die aus Norbert Elgerts Knappenschmiede kullerten, spielte dem Verein über 50 Millionen Euro ein. Von dem Geld ging Heidel ordentlich shoppen. Breel Embolo, das Sturmtalent aus Basel, wurde für 26,5 Millionen Euro verpflichtet, Schalker Transferrekord. Hinzu kamen noch Sead Kolasinac, Mark Uth, Eric Maxim Choupo-Moting und mit Alexander Nübel kam ein talentiertes Eigengewächs auf die Torhüter Position. Für die wichtigen Vertragsverlängerungen mit dem Mittelfeld-Duo Leon Goretzka und Max Meyer wurden Verhandlungen aufgenommen. Nur Markus Weinzierl war mit Platz 10 vielleicht nicht der richtige Mann für den Job als Trainer.
Rein kam dafür ein damals noch eher unbeschriebenes Blatt. Domenico Tedesco, der die Trainerausbildung als Klassenbester absolvierte und Julian Nagelsmann damit zum vorerst letzten Mal auf den zweiten Platz verdrängte. Unter dem als Taktikfanatiker verschrienen Trainingsleiter wurde Schalke 2018 unverhofft wieder einmal Vizemeister. Nur nicht dich spielerische Rafinesse, sondern Terrorfußball vom feinsten. Eine für die Bundesliga damals emblematische Spielphilosophie, die von 11Freunde mit der Headline von Stefan Hermanns Artikel “Ihr Feind, der Ball” treffsicher auf den Punkt gebracht wurde.
“YOU GET A CAR AND YOU GET A CAR AND YOU GET A CAR, EVERYONE GETS A CAR!” – Oprah Winfrey
Der Triumph war bitter süß. Goretzka machte schon im Verlauf der Saison klar, dass er seinen auslaufenden Vertrag beim FC Schalke 04 nicht verlängern würde. Max Meyer ging nach einem legendären Streit in dem sein Berater ihn zum “Weltklasse Spieler Max Meyer” kürte, nach England. Damit verlor Heidel eben mal so die Mannschaftsachse. Die dadurch generierten Einnahmen: 0€. Ausgaben? 150 Millionen plus. 16 Millionen für Sebastian Rudy, einen Rotationsspieler des FC Bayern, teuer gekauft, ablösefrei gegangen, negligierbarer sportlicher Mehrwert. Guido Burgstaller kam für einen immerhin schmalen Taler in die VELTINS-Arena und überzeugte mit 20 Toren in seinen ersten beiden Saisons. In den darauffolgenden wurden es erst 4 Tore und danach sage und schreibe 0. Das muss man erst einmal hinbekomen. Die Krönung im Magazin der Blindgägnger war jedoch die Verpflichtung von Rabbi Matondo. Ein flinker Flügelflitzer aus der Manchester City Akademie. Hatte Schalke da etwa den neuen Jadon Sancho verpflichtet? Fast. Auf Sanchos 17 Tore und 17 Vorlagen in der Saison 19/20, antwortete Matondo mit ganzen 2 Toren und 0 Vorlagen. Das erste Tor am 6ten Spieltag der Saison 19/20 zum 3:0 gegen Leipzig, das zweite am 33. Spieltag, zum 1:4 Anschlusstreffer gegen den VfL Wolfsburg in der 70ten Minute. Es wurden seine einzigen Scorer – ausbleibende Vorlagen eingerechnet – in 3 Jahren auf Schalke. 9 Millionen € Ablöse für 2 Tore mit einem Jahresgehalt von einer Millionen und einer Vertragslaufzeit von 4 Jahren, die den Verein in Summe 19 Millionen € kosten sollten. Für die damaligen Gehaltsverhältnisse unter Heidel ein Fliegenschiss. Vor Heidel rangieren die Gehälter beim FC Schalke im Durschschnitt zwischen 2 und 3 Millionen € pro Jahr. Heidel verdoppelte diese Beträge. Spieler, deren sportliche Leistungen maximal für das Bundesliga Mittelfeld reichten, verdienten wie bei Top Clubs. Die Tabellenplätze 14 und 12 der Folgesaisons und den damit ausbleibenden Einnahmen aus dem internationalen Geschäft. machten diese Zahlen vollkommen unnachhaltig. Die Ablösesummen und Gehälter waren eine riesige Wette auf sportliche Erfolge die bereits im vorhinein unrealistisch waren. Den Anspruch darauf jede Saison Champions League zu spielen, wurde zu einer notwendigen Bedingungen für das finanzielle Überleben des Vereins gemacht. Dabei war Schalke bereits prekär aufgestellt.
Eine Chronik des Scheiterns
Die Schalker Schulden sind nicht Heidels Hauptverantwortung. Die Fehlbeträge, die der Club in der Bilanz aufzuweisen hatte, begannen sich ab 2011 zu manifestieren. Die negative Bilanz konnte über die Jahre gut abgeschmolzen werden, bis der FC Schalke 04 2015 die Champions League verpasste. Auf Grund fehlender erwarteter Einnahmen, die zuvor bereits in die Saisonplanung verrechnet wurden, Stieg der Schuldenberg erstmals auf 200 Millionen € an. Die Heidel Misswirtschaft begann erst ein Jahr später.
Schlechte Transfers gehören zum Fusßballgeschäft. Affen können professionelle Portfoliomanager am Aktienmarkt schlagen, die Zukunft ist fundamental ungewiss.
Wie es aber kam, dass der bis dato erfolgreichste Kaderplaner der Bundesliga, beim vorfinden einer desaströsen finanziellen Lage, anstatt einer Konsolidierung der Finanzen Gehälter verdoppelte, wie man es schaffte so konstant Spieler zu verpflichten, die keinerlei sportlichen Mehrwert bieten: Das bleibt Christian Heidels Geheimnis.
“””Erfolg ist kein Glück”””
Jetzt ist Heidel zurück in dem alten Haus, dass er sich baute. Als wäre nichts gewesen, schaut er nun dabei zu wie sein Verein nächstes Jahr höchstwahrscheinlich in der Königsklasse spielt. Schalke hingegen ringt in der zweiten Bundesliga in der unteren Tabellenhälfte ums überleben. Gegen den ehemaligen Arbeitgeber teilte er zuletzt nocheinmal genüsslich aus. Als die Verantwortlichen des FC Schalke eine Überarbeitung des Verteilungsschlüssel, auf Basis der Attraktivität von Vereinen ins Feld führten, empfand es Heidel als auffällig, dass “Die am lautesten vernehmbar sind, die die größten finanziellen Probleme haben”. Von einem Gefühl der Verantwortung keine Spur.


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