175 Millionen Euro. Eintracht Frankfurt hat für die Verkäufe von Omar Marmoush an Manchester City und Kolo Muani an Paris Saint-Germain 175 Millionen Euro erhalten. Gekostet haben beide, bis auf ihre jeweiligen Signing Fees, keinen Cent. Die hohen Erlöse, die beide Spieler brachten, verdankt die Eintracht ihrem Sportvorstand Markus Krösche. 80 Millionen forderte Frankfurt von Anfang an, berichtete “Pletti”. Es soll keine Verhandlungsmasse gewesen sein, sondern die Forderung: Entweder bezahlt ihr, oder der Spieler bleibt bei uns. City zahlte, der Ägypter stand am letzten Wochenende bereits in der Startelf der Skyblues.
Ähnlich lief es vor gut 1,5 Jahren schon beim Verkauf von Randal Kolo Muani. Krösche erhielt damals viel Kritik, da er den besten Spieler des Teams so spät im Transferfenster verkaufte, dass er keinen Ersatz mehr verpflichten konnte. Frankfurt wurde auch ohne den Franzosen 6. in der Bundesliga und qualifizierte sich für die Europa League. Kolo Muani wurde von Paris in der letzten Woche an Juventus Turin verliehen, weil er die Erwartungen in Frankreich nicht erfüllen konnte. Ohne Marmoush gewann Frankfurt in zwei von drei Spielen. Sein Nachfolger soll nun der aus Frankreich verpflichtete Stürmer Elye Wahi werden. Bis zu 26 Millionen Euro fließen für ihn von Frankfurt nach Marseille. Diese vergleichsweise hohe Ablöse wird er, sowie sein neuer Sportvorstand erstmal rechtfertigen müssen. Ein Problem, das er als Spieler selbst nie hatte.
Nur der SCP

Krösches Spielerkarriere verlief unspektakulär. In der Jugend spielte er für Werder Bremen, gewann dort sogar als Kapitän der U19 die deutsche Meisterschaft. Zu den Profis schaffte er es dort trotzdem nie. Mit 20 Jahren wechselte er ablösefrei zum damaligen Drittligisten SC Paderborn. Es blieb sein einziger Vereinswechsel als Spieler. 373 Spiele absolvierte der gebürtige Hannoveraner, der vorrangig als “6er” agierte für den SCP. Zu seinem Karriereende 2014 gab es für Paderborn den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga. Der Wahl-Paderborner war zu diesem Zeitpunkt seit 6 Jahren Kapitän der Mannschaft und ist bis heute der Spieler mit den meisten Spielen jemals für das Team aus Ostwestfalen-Lippe.
Direkt im Anschluss an seine Karriere als Spieler übernahm der Niedersachse als Trainer die 2. Mannschaft von Paderborn. Nach nur einer Saison, in der sein Team beeindruckende 2,15 Punkte pro Spiel erzielen konnte, ging es nach Leverkusen. Nach 77 Spielen als Co-Trainer von Roger Schmidt endete seine Zeit als Trainer. Als Schmidt entlassen wurde, musste auch Krösche gehen. Es folgte die Rückkehr zu seinem SCP.

Manager Krösche
Keine zwei Wochen nach dem Ende seiner Zeit bei Leverkusen wurde Markus Krösche wieder beim SC Paderborn eingestellt. Nicht als Trainer, sondern als Geschäftsführer-Sport. Schon während seiner Karriere studierte der heutige Frankfurt Vorstand BWL, um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Wie sich zeigte, die richtige Entscheidung. Denn in seiner neuen Rolle übertraf er sich selbst.
Der erneute Abstieg in die 3. Liga war zwei Monate nach seinem Amtsantritt nicht mehr zu verhindern. Doch den Weg von der dritten in die erste Liga kannte Krösche ja schon. Als Trainer holte er einen unbekannten Rostocker, der zuletzt beim Berliner AK arbeitete und auf den Namen Steffen Baumgart hört. Den Kader verstärkten unter anderem Leopold Zingerle, Dennis Srebeny, Christopher Antwi-Adjei, Philipp Klement, Marlon Ritter, Jamilu Collins, die nicht nur fast alle mit Paderborn bis in die Bundesliga gingen, sondern heute noch immer in der Bundesliga respektive 2. Liga spielen. Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde der Kader nochmal verstärkt. Mohamed Dräger, Kai Pröger, Uwe Hünemeier, Klaus Gjasula und Sebastian Vasiliadis spielten alle im folgenden Jahr für Paderborn in der Bundesliga. Krösches gutes Auge zeigt sich auch bei Spielern, die es bei Paderborn nicht schafften. Phillip Tietz z.B. steht aktuell meist von Anfang an beim FC Augsburg in der 1. Liga auf dem Feld. Durch seine cleveren Transfers gelang es Markus Krösche seinen SCP zum zweiten Mal von der 3. Liga in die Bundesliga zu führen. Auch wenn es ihm selbst verwehrt blieb, jemals in der höchsten deutschen Spielklasse aufzulaufen. Doch er wäre ja nicht der erste deutsche Fußballer, der erst in der Karriere nach der Karriere so richtig groß wird.
Neue Wege
Der Manager Krösche tat es dem Spieler Krösche gleich und verließ Paderborn mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Dieses Mal ging es allerdings einfach nur eine Station weiter. Paderborns Erfolge unter Krösche brachten die Aufmerksamkeit größerer Clubs mit sich.
Am 01.07.2019 wurde er als Sportdirektor bei RB Leipzig vorgestellt.
Seine Amtszeit verlief kurz, wenn auch nicht unerfolgreich. Zwei Jahre lang blieb der Niedersachse bei Leipzig im Amt, wo er das schwere Erbe von Ralf Rangnick antrat. RB kam mit Trainer Julian Nagelsmann ins Halbfinale der Champions League und ein Jahr später ins Pokalfinale. In beiden Jahren qualifizierte man sich außerdem für die Champions League. Die während seiner Zeit in Leipzig verpflichteten Dani Olmo, Christopher Nkunku oder Dominik Szoboszlai wurden alle zu Weltklasse-Spielern. Andere Transfer gingen allerdings daneben, u.a. gab man 20 Millionen Euro für den in Leipzig glücklosen Alexander Sørloth aus.
Ein Jahr vor seinem eigentlichen Vertragsende entschieden sich Krösche und RB Leipzig einvernehmlich, am Ende der Saison 20/21, getrennte Wege zu gehen. Krösche selbst beschreibt seine Zeit bei RB als lehrreich, von Harmonie war sie wohl allerdings nicht geprägt. Vielleicht war der Schritt von der 2. Bundesliga in die Champions League etwas zu groß. Vielleicht ist Leipzig aber auch nichts das glücklichste Pflaster für sportlich Verantwortliche, wie man in den Folgejahren sah.
“ein absoluter Volltreffer für unseren Verein“

Eintracht Frankfurt wusste die sich ergebende Möglichkeit zu nutzen. Die Rolle als Geschäftsführer-Sport, die er dort bekam, kannte Krösche schon aus Paderborn. Seit 3,5 Jahren bekleidet er sie nun bei der Eintracht. Die Bilanz? Kein anderer Verein in Deutschland erzielte ein größeres Transferplus als Frankfurt seit seiner Ankunft. Dabei konnte der Kaderwert um fast ein Viertel gesteigert werden. Der Gewinn der Europa League im ersten Jahr und die damit verbundene Qualifikation für die Champions League, das erste Mal in Frankfurts Geschichte, war nur der Anfang. Schaut man sich den Kader der Eintracht an und blickt auf die Abschlusstabellen der Bundesliga, sieht man, wie Frankfurt Jahr für Jahr stärker wird. In dieser Saison könnte es sogar zum ersten Mal für die Champions League Qualifikation über die Liga reichen, auch wenn der Abgang von Marmoush es schwerer machen wird.
Schon bei seiner Vorstellung nannte Philip Holzer, Aufsichtsratsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, Markus Krösche einen “absoluten Volltreffer” für Frankfurt. Er hatte recht.
Markus Krösche ist aktuell der beste Manager der Bundesliga.


Hinterlasse einen Kommentar