Was ist los mit Niclas Füllkrug?

Niclas Füllkrug ist derzeit verletzt. Doch schon vorher spielte der deutsche Nationalspieler nur eine untergeordnete Rolle bei Premier League Club West Ham United. War der Wechsel ein Fehler?

Der Hoffnungsträger der Nation

Es ist der 5. Juli 2024. Deutschland spielt im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Spanien und kassierte vor wenigen Minuten ein Tor durch Dani Olmo zur 1:0 Führung für das spanische Team. Auf einmal jedoch bricht Jubel aus. Bei den Fans im Stadion, auf den zahlreichen Fanmeilen, selbst im Wohnzimmer, wo Familien und Freunde sich zusammen das Spiel anschauen, überall breitet sich plötzlich ein Gefühl der Euphorie aus.
Der Grund? Niclas Füllkrug steht mit energischem Blick an der Seitenlinie und macht sich offensichtlich bereit für die Einwechslung.

Deutschland hat dieses Spiel verloren. Dennoch steht der Moment sinnbildlich für den Stellenwert, den Niclas Füllkrug vor gut vier Monaten noch innehatte. Obwohl er kein Startelf-Spieler in der Nationalmannschaft war, charakterisierte Füllkrug irgendwie die nach Jahren der Missgunst wieder liebgewonnene Nationalmannschaft. 12 Tore und 8 Vorlagen für Borussia Dortmund, die in der Bundesliga durchaus mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, sind ein guter Wert. Auch, wenn sich der ein oder andere hier vielleicht noch etwas mehr erhofft hatte. Nicht zuletzt hatte „Fülle“ unter anderem durch die 5 Scorer, die er auf dem Weg sammeln konnte, seinen Anteil an der Finalteilnahme Borussia Dortmunds in der Champions League.

Der Wechsel zu West Ham

Das alles bekam man auch in London mit. West Ham United bot 27 Millionen Euro für den 31-Jährigen Stürmer. Für Dortmund, die Füllkrug gerade 28 Tore Stürmer Sehrou Guirassy vor die Nase gesetzt hatten, ein super Angebot. Bei Dortmund nicht mehr gesetzt, ein verlockendes Gehaltsangebot und die Möglichkeit in der Premier League zu spielen- das überzeugte offenbar auch Füllkrug selbst. Eigentlich eine Win-Win-Win Situation für alle Beteiligten- oder?

Der Wechsel wurde auch in der Öffentlichkeit überwiegend positiv wahrgenommen. Ein Spieler wie Füllkrug würde überall seine Tore machen. Außerdem passe er mit seiner Physis gut in die Premier League, so der Tenor in den Medien. Dabei hätte man mal einen genaueren Blick darauf werfen dürfen, wo genau es Füllkrug denn nun hinzieht.

Haller? Scamacca? Füllkrug? Michael Antonio!

15 Tore und 9 Vorlagen erzielte Sebastian Haller für Eintracht Frankfurt in der Saison 2018/19. Gianluca Scamacca schoss für Sassuolo Calcio in einer torarmen Serie A 2021/22 16 Tore. 12 Tore und 8 Vorlagen waren es für Niclas Füllkrug in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Alle drei Spieler sind große, körperlich starke Stürmer mit gutem Abschluss und verbinden diese Attribute mit einer ordentlichen Technik. Dadurch ergibt sich ein durchaus spannendes Profil. Einzig bei der Geschwindigkeit muss man bei den dreien ein paar Abstriche machen.

Neben ihrem Spielerprofil verbindet die drei Stürmer noch, dass sie alle nach erfolgreichen Saisons bei ihren jeweiligen Vereinen zu West Ham United gewechselt sind. 115 Millionen Euro investierte West Ham für alle zusammen. Keiner von Ihnen konnte sich jedoch durchsetzen. Füllkrug spielte in der Liga bisher 63 Minuten in drei Spielen und wurde einmal im Pokal eingesetzt. Ein Tor konnte er bisher nicht erzielen. Sowohl der ehemalige Coach David Moyes, als auch der aktuelle Trainer Julen Lopetegui setzten im Sturm stets auf den schnellen Engländer Michael Antonio.

Ist Füllkrug zu langsam für die Premier League?

Weder Haller, noch Scamacca waren lange im Verein. Dennoch entschied man sich mit Füllkrug ein drittes Mal für ein ähnliches Stürmer-Profil. Grundsätzlich scheint man also von der Idee überzeugt zu sein. Einen verletzten Niclas Füllkrug, drei Monate nach dem Premier League Start abzuschreiben, wäre natürlich überhastet. Dennoch stellt sich die Frage, ob man bei West Ham nicht einem großen Irrtum zum Opfer gefallen ist. Schaut man sich die Stürmer der Premier League Teilnehmer genauer an, kommt es einem so vor, als ob die meisten von ihnen eher auf schnelle oder agile Spieler im Angriff setzen. Ein Blick auf die 20 besten Torschützen der abgelaufenen Saison bestätigt diesen Eindruck ein Stück weit. Als Gegenargumente stehen allerdings Jean-Phillipe Mateta und Chris Wood auf dieser Liste.

Hoffnung für Fülle

Niclas Füllkrug ist seit gut 4 Monaten bei West Ham, kam nach der EM spät dazu und ist schon eine Weile verletzt. Darüber hinaus spielt er in einem neuen Team, in einer neuen Liga mit einem im Durschnitt höherem Grundniveau. Der Einstieg selbst war also nicht leicht und er wäre nicht der erste Spieler, der erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit bei seinem neuen Verein funktioniert. Nun ist er 31 Jahre alt, nicht mehr der Jüngste und West Ham ist nicht dafür bekannt, seinen Stürmen viel Zeit zum Eingewöhnen zu geben. Hoffnung machen kann ihm dennoch, dass sowohl Haller, als auch Scamacca nach ihrer Zeit bei West Ham wieder zu absoluten Stammspielern in ihren neuen Teams wurden. Haller schoss bei Ajax Amsterdam so viele Tore, dass der BVB ihn für viel Geld verpflichtete. Scamacca gewann mit Atalanta Bergamo in der vergangenen Saison die Europa League. Sollte es bei West Ham also nicht funktionieren, der Wechsel sich tatsächlich als Fehler herausstellen, dann besteht trotzdem die Hoffnung, dass er danach nochmal zu alter Stärke finden kann.

Titelbild erstellt mit DALL-E von OpenAI

Eine Antwort zu „Was ist los mit Niclas Füllkrug?”.

  1. […] vom 2.Liga Stürmer zu einem der Hoffnungsträger deutscher Fußballfans. Derzeit kämpft er bei West Ham vor allem mit Verletzungen, doch ist mit seiner Rückkehr zu […]

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